Resumee zum Jugendseminar des Hochtaunuskreises im Rahmen der Jugenddelegation 2009 in Gilboa mit Schülerinnen und Schülern der PRS
Im Herbst 2008 hatte der Leistungskurs Geschichte an der PRS die Jugenddelegation aus Gilboa zu Gast für einen Vormittag.
Innerhalb kurzer Zeit kamen die Jugendlichen ins Gespräch miteinander, weit über die vorbereiteten Fragen und Anregungen hinaus. Fazit der Nachbereitung: „Ich hatte mir die ganz anders vorgestellt. Die sind ja eigentlich genauso wie wir.“
Einzelne Punkte wie z.B. Dienst in der Armee, Verhältnis zum eigenen Land usw. boten dennoch durchaus Diskussionsstoff und konnten am darauf folgenden Freitag beim gemeinsamen Bowling, zu dem wir auf Anregung der Gilboa-Jugendlichen vom Hochtaunuskreis eingeladen wurden, vertieft werden.
Schade, haben einige gedacht und auch laut geäußert: „Können wir die nicht auch einmal besuchen in Gilboa?“
Was blieb, war ein durchaus reger Kontakt über e-mail und Internetforen zwischen den am Treffen beteiligten Jugendlichen.
Viele Fragen zum Umgang mit jüdischen Menschen stellten sich vielleicht auch neu durch den gemeinsamen Besuch der Schülerinnen und Schüler des Kurses in Polen in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz wenige Wochen nach der Begegnung mit der israelischen Gastgruppe aus Gilboa.
Im Dezember erreichte die PRS dann die offizielle Anfrage des Hochtaunuskreises, ob nicht die Jugendlichen des Leistungskurses Geschichte bereit wären, die Jugenddelegation des Hochtaunuskreises für die Rückbegegnung zu stellen.
Hintergrund dieser Anfrage war sicherlich – neben dem sehr gelungenen Treffen der Jugendlichen – die Unterstützung der Bemühungen der PRS um eine Schulpartnerschaft mit der jüdischen Schule Amal Harod und der arabischen Schule Achva im Partnerkreis Gilboa. Die Auswahl der Gruppe aus der PRS wurde auch von der Schulgemeinde als Auszeichnung für unsere Bemühungen hierzu empfunden.
Um – neben einer inhaltlichen Vorbereitung zu Geschichte, Kultur und aktueller Politik – Ängsten und durchaus legitimen Befürchtungen zum Thema Sicherheit Raum zu geben und dies gemeinsam zu diskutieren, hatten wir zusammen mit den beteiligten Schülerinnen und Schülern und deren Eltern Gelegenheit zum Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern des Hochtaunuskreises, Frau Birkenfeld und Herrn Maier, der Vorsitzenden des Kreistages, Frau Funke, und der stellv. Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Frau Korenke.
Frau Funke sagte an dem Abend spontan Ihre Unterstützung durch Ihre Mitfahrt und Übernahme der Delegationsleitung zu. Ebenfalls unterstützte Herr Burghardt (Bürgermeister von Friedrichsdorf) die Delegation durch seine Teilnahme. Für den Hochtaunuskreis übernahm Herr Michael Maier die Betreuung der Gruppe.
Insgesamt haben sich dann 11 Schülerinnen und Schüler für das Jugendseminar in Gilboa angemeldet. Besonders wichtig war uns als PRS in diesem Zusammenhang auch, dass sich die multikulturelle und –religiöse Zusammensetzung unserer Schülerschaft auch in der Gruppe widerspiegelte. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass die uns begegnenden Gruppen aus Gilboa ebenfalls aus jüdischen und arabischen Jugendlichen bestanden.
In der inhaltlichen Vorbereitung der Fahrt spielte der Film „Promises“ eine große Rolle, der das Leben von israelischen und palästinensischen Kindern und Jugendlichen zeigt und diese zum Nahostkonflikt befragt. Neben Fragen von Kultur und Alltag war dies denn auch das Thema, das die meisten Schülerinnen und Schüler interessierte.
Die Zeit unserer Reise inmitten zentraler staatlicher Gedenktage war sicherlich sowohl einmalige Gelegenheit als auch eine große Herausforderung. Immer wieder wurden wir von Menschen für unseren Mut angesprochen, als deutsche Gruppe gerade in dieser Zeit Israel zu besuchen.
So nahm die Gruppe teil an der zentralen Gedenkveranstaltung am Vorabend zum Holocaustgedenktag (Yom ha Shoa) im Kreis Gilboa und an der Gedenk-Veranstaltung unserer jüdischen Partnerschule Amal Harod am Gedenktag.
Die Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft zwischen jüdischer Bevölkerungsmehrheit und arabischer Minderheit wurde für uns als Gruppe an zwei Punkten besonders spürbar: Zum einen der sehr strenge Umgang des Sicherheitsdienstes mit dem muslimischen Teil unserer Gruppe am Flughafen. Dies ist leider für viele arabischen Staatsbürger Israels gängige Praxis. Zum anderen die Teilnahme an der Gedenkfeier für die israelischen Gefallenen der Kriege und der Terroranschläge am Vorabend des Unabhängigkeitsgedenktages.
Aufgrund der Familienunterbringung in jüdischen und arabischen Familien haben wir den Umgang mit dieser Frage auf beiden Seiten kennengelernt. Dies war sicherlich nicht einfach. Dennoch sicherlich eine einmalige und wertvolle Erfahrung.
Wir wünschen uns als Gruppe nicht nur ein baldiges Ende des Nahostkonflikts sondern von ganzem Herzen der israelischen Gesellschaft inneren Frieden und die Überwindung dieser Gegensätze, im sicheren Wissen, dass dies von außen leicht gesagt ist und ohne ein Rezept hierfür zu haben.
Trotz dieser scheinbar unüberwindbaren Gräben und Hindernisse ist unser Partnerkreis Gilboa um Verständigung und Gleichberechtigung stets bemüht, macht doch die arabische Bevölkerung in Gilboa einen Anteil von ca. 30% der Gesamtbevölkerung aus (Landesdurchschnitt: ca. 20%). Als einzige Region hat Gilboa z.B. einen stellvertetenden arabischen Landrat, die uns begegnenden Jugendgruppen waren immer jüdisch-arabisch gemischt zusammengesetzt. Auch mit den Autonmiegebieten pflegt Gilboa gute Kontakte. Hier waren wir zu Gast bei der Einweihungszeremonie für einen Traktor mit Wassertank, den Gilboa u.a. mit Unterstützung des Hochtaunuskreises und weiterer Sponsoren für das ehemalige Flüchtlingslager Dschenin anschaffen konnte.
Der Besuch beider Schulen war insgesamt für die Gruppe sehr eindrucksvoll. In der jüdischen Schule Amal Harod stand das Miteinander der Jugendlichen im Rahmen von Kennenlernspielen und einem Gespräch mit der Schulleiterin und Schülerinnen und Schülern im Vordergrund.
In der arabischen Schule Achva war der Besuch einer Mechatronic-Klasse besonders beeindruckend.
Die betreuenden PRS-Lehrkräfte und die Delegationsleitung hatten parallel Gelegenheit zum Gespräch mit den Schulleitungen der jeweiligen Schulen:
Vereinbart wurde eine Schulpartnerschaft der drei Schulen und eine Zusammenarbeit im Projektbereich. Auf Schulleitungsebene soll es in jeder Schule hierfür eine veranantwortliche Bezugsperson geben: Karen Arnon (stellv. Schulleiterin Amal Harod), Bassam Zoabi (stellv. Schulleiter Achva) und Andreas Schauer (Mitglied der Schulleitung der PRS).
Für die Unterstützung zum Zustandekommen der Schulpartnerschaft sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich Frau Funke (Sprecherin des Kreistags), Herrn Burghardt (Bürgermeister von Friedrichsdorf) und Herrn Maier (Hochtaunuskreis) gedankt, die sich sehr hierfür engagiert haben im Rahmen der Delegationsleitung und Programmplanung.
Ebenfalls parallel bzw. außerhalb des Jugendgruppenprogramms hatte die Delegationsleitung zusammen mit den PRS-Lehrkräften Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit Dani Atar, dem Landrat der Region Gilboa und Id Salim, dem stellvertretenden Landrat.
Insgesamt standen eine Fülle von interessanten Begegnungen und Gesprächen für die Jugendlichen auf dem Programm, die hier nicht alle einzeln aufgezählt werden können. Zu Beginn von Dani Atar und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung herzlich begrüßt, wurde jeden Tag aufs neue seitens des Kreises Gilboa für uns alles in Bewegung gesetzt um uns ein rundum interessantes, erlebnisreiches und unvergessliches Programm zu organisieren. Unvergessen wird sicherlich bleiben: Besuch von Jerusalem mit Altstadt und Yad Vashem, Übernachtung in der Wüste am Toten Meer und Massada. Dass ein Besuch des Tempelbergs in Jerusalem nicht möglich war, wurde von der ganzen Gruppe bedauert, natürlich besonders von den muslimischen Schülerinnen und Schülern, die sich hierauf besonders gefreut hatten.
Was bleibt? Unvergessliche Erfahrungen und Eindrücke.
Immer wieder in der Gruppe diskutiert wurden Gespräche und Erfahrungen in den Gastfamilien und im Rahmen des Programms: zu der Frage Nationalbewusstsein / Patriotismus, Umgang mit nationalem Gedenken und Feiern; der prägenden Rolle von Militär, Wehrdienst und Tragen der Waffe im Alltag im jüdischen Teil der Gesellschaft; unterschiedliche Kultur der arabischen Dörfer in Gilboa und der säkular geprägten jüdischen Kibbuzim und Moshavim; Leben zwischen Landwirtschaft und Hightech-Industrie.
Was bleibt noch? Freundschaften und Verbundenheiten über den Tag und die Fahrt hinaus. Eine Partnerschaft zwischen Schulen und Menschen.
Der Dank der PRS gilt besonders Herrn Landrat Ulrich Krebs, der uns diese Fahrt im Rahmen der Jugenddelegation ermöglichte.
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Info
Gilboa / Israel

