Schultheater im HR Sendesaal: Engagement vor und hinter der Kamera

Schultheatertage: Schülerinnen und Schüler vor und hinter der Kamera beim HR

Am Samstag, den 19.09., startete in Frankfurt das fünftägige Festival „Schultheater der Länder 2026“ – die größte Schultheater-Veranstaltung Europas. Unter dem Motto „SCHULTHEATER.TANZ(t) – Be the Move“ zeigten bis zum 23. September über 300 Kinder und Jugendliche aus allen 16 Bundesländern Produktionen zu Tanz, Bewegung und Choreografie. Veranstalter waren der Bundesverband Theater in Schulen und der Landesverband Schultheater in Hessen. Auch Schülerinnen und Schüler der Philipp-Reis-Schule (PRS) nahmen teil, wenn auch nicht mit eigenen Theaterstücken: Sie führten als Moderatoren vor bis zu 800 Menschen durch die Theaterabende, standen als Techniker an den Regiepulten sowie hinter den Fernsehkamera-Sets des hr.

Eröffnung des Festivals

Am Nachmittag des ersten Tages versammelten sich Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler im Sendesaal zur Eröffnung. Die Moderatorinnen der 10G2 –Camilla Oulds, Stella Osselmann und Theresa Hilgers, warteten gespannt auf ihren Auftrittt am späten Abend. Alle teilnehmenden Theater- und Tanzensembles stellten sich anschließend in lockerer Reihenfolge mit einer Improvisation vor – teilweise chaotisch, aber immer lustig.

Zu Beginn der offiziellen Eröffnung wurde eine Videobotschaft von Bundesministerin Karin Prien eingespielt. Anschließend sprach der hessische Kultusminister Armin Schwarz. Er eröffnete seine Rede mit einem Zitat der Tänzerin und Choreografin Nina Rausch: „Mich interessiert nicht, wie ihr euch bewegt, sondern was euch bewegt.“ Bei Tanz und Theater, so Schwarz, gehe es nicht um Perfektion, sondern darum, Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Die Landesregierung lege großen Wert auf das Darstellende Spiel sowie auf Tanz und Bewegung: Wer im Tanz miteinander interagiere, könne ohne Worte kommunizieren – eine Fähigkeit, die auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie stärke. Auch Grundschulen waren mit eigenen Produktionen vertreten.

Hinter der Kamera

Wer im Publikum saß, schaute kaum nach hinten zu den Kameras. Dort standen ebenfalls Schülerinnen und Schüler der PRS. Deutschlehrer Paul Schmidt, der auch Teil des bundesweiten Organisationsteams war, hatte im Kurs angefragt, wer als Moderationsteam oder als Kamera- und Technikteam mitwirken wolle; die Gruppe stimmte ab und sagte zu. Vorbereitet wurde das Technikteam bei einem Workshop im Medienzentrum in Frankfurt, wo es lernte, die Kameras aufzubauen und zu bedienen. Vor Ort unterstützte Julia Mecke die jungen Technikerinnen und Techniker.

Bei den Aufführungen waren drei Kameras im Einsatz, zwei davon bedienten Massimo Zanfino (10G5) und Younes Chanfar Rodriguez (10R2). „Die Kamera hinten beim Technikpult zeigt eigentlich immer die ganze Bühne“, erklärt Massimo. „Die zwei links und rechts filmen die Halbtotale und manchmal die Totale, je nach Szene, und man muss mitschwenken.“ Besonders beeindruckt hat ihn das Regiepult, an dem Milena Jungbold (10G2) und Svea Lange (10G4) saßen: Dort laufen alle Kamerabilder zusammen, und schon während der Aufführung wurde zwischen den Kameras umgeschaltet und live geschnitten, sodass kaum Nachbearbeitung nötig ist. Kameramann als Beruf? „Für kurze Zeit auf jeden Fall, aber nicht für mein ganzes Leben.“

Stücke mit rotem Faden

Obwohl Massimo beim Filmen nicht alles verfolgen konnte, fiel ihm ein gemeinsamer roter Faden der Stücke auf. Das Tanzstück „Vogue“ mit rein weiblicher Besetzung setzte sich mit der Sexualisierung von Frauen auseinander – vieles habe sich gebessert, aber noch nicht genug. Ein weiteres Stück zeigte den Druck, den Social Media und das Ideal des perfekten Körpers erzeugen. Ein Stück über die 80er Jahre stellte einer grauen Gegenwart die bunte, rebellische Vergangenheit gegenüber und fragte nach der Vergänglichkeit der Zeit. „Frühlingserwachen“ schließlich erzählte davon, wie schnell man erwachsen wird und wie viel Druck dabei von außen kommt.

Seine Erfahrungen wird Massimo auch nach den Ferien im Deutschunterricht nutzen können: Dort geht es darum, wie sich E.T.A. Hoffmanns „Das Fräulein von Scuderi“ filmisch umsetzen lässt und wie Einstellungsgrößen und Kameraführung Spannung erzeugen.